Tipps für den Kauf eurer ersten DSLR Kamera

„DSLR… ISO… Verschlusszeit… Ich weiß schon, was das alles bedeutet. So ungefähr. Ein bisschen eben. Also, ich habe das schon einmal gehört. Das ist das mit dem… wo man eben… und dann drückt man dort drauf… also theoretisch sollte dann…“

Liebe Leute, wir wissen, wie es euch geht. Been there, done that. Aber keine Sorge: Snapify erklärt euch Schritt für Schritt, was ihr bei dem Kauf eurer ersten Kamera beachten müsst und welche Funktionen die Basis bilden. Bevor wir jedoch mit der Einführung beginnen, möchten wir vorab eines klarstellen: Wir verwenden ausschließlich Canon, weshalb wir nur auf Produkte dieser Marke eingehen werden. Unsere Anleitung könnt ihr aber, wenn es zum Beispiel um die Eigenschaften von Objektiven geht, auch für Nikon anwenden. Ob nun Canon oder Nikon besser ist, bleibt eine Frage des Geschmacks, denn Tatsache ist, dass beide Vor-und Nachteile haben. Bei Einsteigerprodukten ist es irrelevant, für welches Produkt ihr euch entscheidet. Falls ihr jedoch schon Objektive besitzt, dann raten wir euch, die Spiegelreflexkamera von derselben Marke zu kaufen, da die Zubehöre untereinander nicht miteinander kompatibel sind.

Gut, nachdem wir die Frage, die für gewöhnlich das Internet spaltet, geklärt haben,  geht es nun mit unserer Einführung los:

1 Warum braucht ihr eine DSLR?

Das erste, was sich viele von euch fragen ist, warum sie sich eine Spiegelreflexkamera kaufen sollten. Nun, das hängt von dem Verwendungszweck ab, denn auch eine DSLR hat ihre Vor- und Nachteile. Diese haben wir für euch zusammengefasst:

Vorteile

  • wechselbares Objektiv
  • besserer Autofokus
  • RAW Modus vorhanden

Nachteile

  • Gewicht
  • Automatikmodus schwach
  • Dateigröße des RAW Formates

2 Welche DSLR solltet ihr euch kaufen?

Zunächst raten wir euch, beim Gehäuse das Geld zu sparen und es in ein gutes Objektiv zu investieren. Das gilt auch, wenn ihr eine ältere Kamera zuhause habt. Bewahrt diese auf und sorgt dafür, dass das Objektiv von Qualität zeugt – ihr werdet damit eine Menge Freude haben, versprochen!

Beispiel: eine Freundin wollte ihre Nikon auf WILLHABEN.AT verkaufen, weil sie davon überzeugt war, dass diese Kamera aufgrund des Alters nicht mehr so gute Fotos erzeugen konnte, wie unsere DSLR. Ihr Gerät war etwa € 200,- wert; der Preis unserer Vollformat Canon EOS 5D Mark III liegt deutlich höher. Natürlich kann man diese beiden Kameras nicht miteinander vergleichen, weil unser Modell puncto Schnelligkeit, Lichtverhältnisse und Rauschreduktion die Nase deutlich vorne hat. Nichtsdestotrotz konnten wir sie dazu überreden, sich ein gutes, preiswertes Objektiv zu kaufen und, ihr ahnt es bereits, sie war begeistert! Sie hat weniger als € 150,- gezahlt und wir müssen zugeben: die Fotos, die sie im Freien macht, kann man nicht so schnell von unseren unterscheiden, obwohl unsere DSLR preislich deutlich höher angesiedelt ist.

Welche Kamera empfehlen wir nun? Als Anfänger seid ihr zum Beispiel mit einer Canon EOS 1200D gut ausgestattet. Wir möchten aber trotzdem noch einmal betonen, dass ihr euch hier nur das Gehäuse besorgen sollt – das KIT, das dazu angeboten wird, erfüllt seinen Zweck nur begrenzt, weshalb wir euch raten, das Geld zu sparen und dafür bei dem Objektiv etwas mehr in die Tasche zu greifen. Die Kamera könnt ihr zur Zeit um ca. € 280,- auf Amazon kaufen!

3 Allgemeine Funktionen der Kamera: Verschlusszeit, Blende, ISO

Diese drei Einstellungen sind die Grundfunktionen, um ein gutes Foto zu machen – nicht mehr und nicht weniger. Wenn ihr das Zusammenspiel dieser drei Elemente verstanden habt, ist der Rest ein Kinderspiel.

Bei der Verschlusszeit geht es kurz gesagt darum, wie lange der Sensor belichtet wird. Dieser Wert wird in Sekunden angegeben, z.B.: 1/50s, 1/100s, 1/1000s… Hier gilt: Je geringer die Verschlusszeit, also 1/1000s, desto kürzer wird der Sensor belichtet, weil schlichtweg weniger Licht in dieser Zeit reinkommt. Das führt dazu, dass die Bilder nicht verschwommen sind. Wenn ihr also eine/n SportlerIn fotografiert, müsst ihr unbedingt eine geringe Verschlusszeit z.B.: 1/8000s festlegen, da er/sie sich schnell bewegt und ihr genau diese Bewegung einfangen wollt! Das Problem ist allerdings, dass aufgrund dieser geringen Verschlusszeit das Foto dunkel wird, weil natürlich nicht genug Licht auf den Sensor fallen kann. Hier kommt also der zweite Wert ins Spiel: die Blende. Wenn ihr ohne Stativ fotografiert, dann solltet ihr niemals eine geringere Verschlusszeit als 1/100 verwenden, da ihr mit freier Hand die Kamera nicht ausreichend stabilisieren könnt und die Bilder verschwommen werden. Solltet ihr doch im Besitz eines Statives sein, so steht es euch frei zu experimentieren und beispielsweise Langzeitbelichtungsbilder zu erstellen. Am besten probiert ihr das in der Nacht aus. Stellt die DSLR auf ein Stativ, legt die Belichtungszeit mit zehn Sekunden fest, öffnet die Blende und schaut, was passiert!

Malta

Langzeitbelichtung in Malta

Was also macht die Blende? Wenn ihr euch das Objektiv als Röhre vorstellt, dann stellt die Blende sozusagen den Durchmesser dieser Röhre dar. Je kleiner der Wert, z.B.: 1.4, desto größer die Öffnung. Ist der Wert größer, z.B.: 18, dann ist die Blende nahezu geschlossen. Was bedeutet das? Wenn ihr die Blende ganz weit aufmacht (1.4), dann ist der Lichteinfall in kurzer Zeit sehr hoch, weil die Öffnung schlichtweg groß ist. Ist diese jedoch klein, fällt in einer gewissen Zeit nur wenig Licht auf den Sensor. Wie hängt das nun mit der Verschlusszeit zusammen? Die Antwort ist einfach: Wenn ihr eine geringe Verschlusszeit einstellt (1/1000s), hat das Licht nur wenig Zeit, auf den Sensor zu fallen, weshalb ihr das Objektiv weiter öffnen müsst (z.B.: mit einer 1.4 Blende). Somit kann auch in kurzer Zeit viel Licht aufgenommen werden, was bedeutet, dass das Bild hell genug ausfallen und der/die SportlerIn gestochen scharf zu sehen sein wird. Das war aber noch nicht alles! Wenn ihr eine kleine Blende (1.4, 1.8,…) einstellt, dann entsteht der Effekt der sogenannten Tiefenschärfe. Dieser ist bei vielen unter euch beliebt, weil dadurch der Hintergrund verschwommen wird. Warum aber funktioniert das nicht bei jeder Kamera? Ganz einfach: Das Problem ist nämlich gar nicht die Kamera, sondern das Objektiv. Dieses soll mindestens eine Blende von 1.4, 1.8. etc. als Eigenschaft haben, also gebt darauf Acht. Teure Modelle erlauben kleinere Blenden (1.4, 1.8,…), wodurch schöne Tiefenschärfen erreicht werden können. Günstige Objektive fangen bei einer Blende von 3.5 an, wodurch sie lichtschwächer sind und keine Tiefenschärfe ermöglichen. Wir fassen also zusammen: Mit der Blende stellt ihr ein, wie weit das Objektiv offen ist.

kleiner Wert = große Öffnung | großer Wert = kleine Öffnung

Bei kleineren Werten (1.4) wird eine Tiefenschärfe erreicht, der Hintergrund ist also verschwommen. Bei  einer geschlossenen Blende (32) ist der Bildbereich im Hintergrund weiterhin scharf. Verwenden könnt ihr dieses Setting für Portraitaufnahmen oder auch Hochzeitsfotos; diese werden mit offener Blende fotografiert. Gruppenfotos oder Landschaftsaufnahmen werden mit einer geschlossenen Blende geschossen, wodurch der Schärfebereich größer ist. Hier gilt: Probieren geht über studieren. Stellt eure Kamera bei einer Blende von 1.4 auf 1/8000s – dadurch wird der Hintergrund verschwommen. Ändert dann die Funktion auf 5.0 und 1/100s – nun ist nichts mehr verschwommen.

Venedig

Offene Blende 1.4 in Venedig

Wenn ihr euch erstmal ein wenig mit der Tiefenschärfe beschäftigt habt, dann könnt ihr einen der schönsten Effekte erzeugen: den Bokeh. Hierfür stellt ihr am besten den manuellen oder Av Modus ein! Wie vorhin schon erwähnt, braucht ihr für unscharfe Fotos den Einsatz der Blende. Nun müsst ihr euch entscheiden: soll nur ein kleiner Bereich scharf sein, habt ihr die Blende zu öffnen. Wenn hingegen das gesamte Motiv scharf sein soll, werdet ihr die Blende schließen müssen. Außerdem ist es für den Bokeh wichtig, dass ihr den Abstand zum Hintergrund vergrößert, die Brennweite so lang wie möglich ist und ihr nah an eurem Motiv seid.

Bokeh

Bokeh

Die letzte und wichtige Funktion ist ISO. Kurz gesagt steht diese für die Lichtempfindlichkeit. Hier solltet ihr beachten, dass dieses Setting bei billigen Kameras nicht so gut ist, weil bei hoher ISO das Bild zu rauschen beginnt. Wann wird diese Funktion verwendet? Wenn ihr mit eurem Objektiv an dessen Grenzen gelangt. Es kann nämlich sein, dass euer Foto bei einer Blende von 1.4 und einer Verschlusszeit von 1/100s immer noch zu finster ist. Wenn dieser Fall eintritt, könnt ihr das Bild etwas aufhellen, was softwaretechnisch geschehen muss. Als Referenzwert gilt: ISO normal liegt bei 100 und sollte 640 nicht übersteigen, da sonst das Rauschen erhöht wird. Sollte das Foto dann immer noch zu dunkel sein, kann es per Nachbearbeitung oder Aufsteckblitz korrigiert werden. Die folgenden Bilder dienen als Verdeutlichung dieses Problems:

Abendessen

Olivenöl

Starkes Rauschen bei ISO

4 Objektiv

Dass das Objektiv für die Kamera einen besonderen Stellenwert hat, wisst ihr bereits. Aber was genau macht es denn so besonders? Fangen wir ganz von vorne an: jedes Objektiv hat eine Brennweite, z.B.: 35mm. Was genau das ist, werden wir in dieser Einführung überspringen; wichtig ist, dass ihr euch deren Notwendigkeit bewusst seid.

Beispiel: Euer Auge sieht mit einer Brennweite von ca. 50mm. Jeder Wert, der darunter liegt, entspricht dem eines Weitwinkelobjektivs, das heißt auf dem Bild ist viel zu sehen. Ist die Brennweite nun größer, verringert sich der Bildausschnitt. 200mm würden also ungefähr dem Sichtfeld eines Guckers entsprechen.

Zu unterscheiden sind folgende Objektive:

Fixbrennweite vs. Zoomobjektive

Den Wert der Fixbrennweite, also z.B.: 50mm, findet ihr auf dem Objektiv. Kurz gesagt bedeutet das, dass ihr mit dem Objektiv nicht zoomen könnt. Wenn ihr eine Nahaufnahme machen möchtet, so müsst ihr euch bewegen. Dies ist für Anfänger gut geeignet, weil man nur durch ständiges Ausprobieren merkt, wie sich das Objektiv verhält, wenn man mit ein und derselben Brennweite auf ein Motiv zugeht. Außerdem ist diese Variante preiswerter und erzeugt schärfere Aufnahmen, als ein Zoomobjektiv.

Wozu braucht man dann eigentlich das Zoomobjektiv? Hier findet ihr auf dem Objektiv immer von-bis Werte, also z.B.: 24-70mm. Somit könnt ihr aufgrund der Zoomoption sowohl ein Weitbild- als auch Teleobjektiv haben. Für Anfänger empfehlen wir dieses Objektiv allerdings aus folgenden Gründen nicht. Erstens wird man schlichtweg faul, weil man sich nicht zu dem Motiv hinbewegen möchte und dadurch geht einem sehr viel Übung verloren. Zweitens beginnt der Preis von guten Zoomobjektiven mit entsprechender Blende bei € 1500,-. Finger weg, wenn ihr noch keine Profis seid!

Ein weiteres Merkmal von Objektiven ist die Blende, was wir bereits kurz erklärt haben. Hier handelt es sich um den Wert, der angibt, wie weit die Blende geöffnet werden kann, damit in kürzester Zeit so viel Licht wie möglich auf den Sensor fällt.

Beispiel: wenn ihr ein KIT Objektiv mit 18-55mm und 3.5-5.6 habt, dann bedeutet das, dass euer Zoomobjektiv 18-55mm beträgt und die Blende 3.5-5.6. Was heißt das? Ganz einfach: Dieser Wert ist variabel. Warum? Bei billigen Objektiven ändert sich der Wert, wenn ihr zoomt. Fotografiert ihr mit einer Brennweite von 18mm, dann könnt ihr die Blende auf 3.5 festlegen. So weit, so gut. Aber: Beim Zoomen schließt das Objektiv automatisch die Blende bis 5.6 und zwar ohne, dass ihr das merkt oder wollt! Was ist die Folge? Richtig, das Bild wird zu dunkel. Nehmen wir an, eure Settings sind wie folgt: Verschlusszeit 1/100s, Blende 3.5, Zoom 18mm. Wenn ihr an das Motiv ranzoomt (55mm), dann wird die Blende automatisch kleiner (5.6) und das Ergebnis dunkel. Aus diesem Grund raten wir euch von KIT Objektiven ab, da ihr Wert bei unter € 20,- liegt und ihr schlichtweg keine Verwendung dafür habt.

Fazit zum Objektiv: kauft ausschließlich welche mit Fixbrennweiten und guter Blende! Wir garantieren euch, dass hier das Preis-/Leistungsverhältnis am besten ist. Ein gutes Einsteigermodell ist die Canon 50mm 1.8. Der Preis liegt bei etwa € 150,- und ihr habt wunderschöne Bilder!

Canon-EF-50mm-f-1.8-STM-Lens

5 Cropfaktor

Darunter wird ein Faktor verstanden, der bei Kameras mit kleinem Sensor (Gegenteil von Vollformat) dazugerechnet werden muss.

Beispiel: Die Canon EOS 1200D, die wir euch zu Beginn empfohlen haben, hat einen Cropfaktor von 1.6. Wenn ihr euch also ein 50mm Objektiv kauft, habt ihr auf der Kamera nicht 50mm, weil der Sensor kleiner ist und somit das Bild zugeschnitten wird. Vereinfacht bedeutet das: bei 50mm habt ihr 50 x 1.6 = 80mm. Wenn ihr euch also für ein 50mm Objektiv entscheidet, dann habt ihr auf den Kleinformatkameras eigentlich ein 80mm Objektiv, was leicht einem Teleobjektiv entspricht! Solltet ihr also tatsächlich ein 50mm Objektiv haben wollen, so kauft euch das 35mm Objektiv, da dies wieder mit 1.6 multipliziert wird.

6 Modus

Wenn ihr eine DSLR in die Hand nehmt, dann fallen euch mit Sicherheit die verschiedenen Modi auf, die man einstellen kann. Für Anfänger empfehlen wir jedoch diese:

Beim manuellen Modus habt ihr die Freiheit, alles einzustellen, was ihr wollt. Dies kann ein Vor-und Nachteil sein. Was uns daran besonders gefällt ist, dass ihr dadurch die verschiedensten Funktionen kennenlernen könnt.

Der Av Modus (Blendenautomatik) gibt euch die Möglichkeit, den Wert der Blende auszuwählen; um alles andere kümmert sich die Kamera. Diese Einstellung ist vor allem dann vorteilhaft, wenn der Hintergrund unscharf sein soll.

Im Gegensatz dazu gibt es den Tv Modus (Zeitautomatik), wo es darum geht, die Belichtungszeit einzustellen. Die DSLR legt danach die Blende und den ISO Wert selber fest.

7 RAW Modus

Wenn ihr fotografiert, sollte dies unbedingt im RAW Modus geschehen! Dadurch werden viel mehr Informationen gespeichert, als bei jpg. Vorteile? Ihr könnt bei der Nachbearbeitung noch einiges aus den Fotos rausholen, z.B.: wenn sie zu dunkel/hell geworden sind. Gute Programme sind Photoshop und Lightroom.

RAW Modus

8 Aufsteckblitz

Falls ihr euch nach einem Blitz sehnt, dann könnt ihr für eure Spiegelreflexkamera einen Aufsteckblitz kaufen, da dieser wirklich besser ist. Dies ist aber optional und für Anfänger nicht unbedingt relevant. Für diejenigen unter euch, die trotzdem auf alles vorbereitet sein wollen, empfehlen wir folgende Modelle:

Canon Speedlite 430EX III-RT

Canon Speedlite 600EX-RT

Fazit

Zahlt sich eine DSLR für einen Anfänger aus? Wenn ihr tatsächlich vorhabt, euch mit der Kamera auseinanderzusetzen, dann ja.

Was ist bei der Verschlusszeit wichtig? Je nach dem, wie lange ihr den Verschluss offen lässt, wird euer Foto dementsprechend hell oder dunkel.

Worauf achtet man bei dem Objektiv? Die wichtigsten Eigenschaften sind die Fixbrennweite/Zoom und die Blende (fest oder variabel). Spart euch das Geld beim Gehäuse und investiert es in ein gutes Objektiv!

Welche Modi braucht ihr? Für den Anfang reichen der Av, Tv und manuelle Modus aus!

Wieso solltet ihr im RAW Modus fotografieren? Die Nachbearbeitung gestaltet sich leichter und euch stehen wesentlich mehr Informationen zur Verfügung.

Benötigt man einen Aufsteckblitz? Nice to have, aber für den Anfang kommt ihr auch ohne aus!

2017-04-27T14:48:28+00:00